Graukäse-Reife: Holzform, Keller, zwei Wochen Zeit

Graukäse-Reife: Holzform, Keller, zwei Wochen Zeit

Der Bruch liegt im Bottich — und eigentlich wäre der einfache Teil getan. Das Säuern, das Gerinnen ohne Lab, die Molke, die sich von selbst trennt. Doch was danach kommt, entscheidet über alles: ob der Graukäse innen weiß und bröselig bleibt, ob die Rinde atmet, ob der Keller seine Arbeit tut.

Zillertaler BergSenn Graukäse - tirolish

Salzen, formen, pressen

Wenn der Bruch abgetropft ist, kommt das Salz — direkt in die Masse eingearbeitet, nicht übergossen. Beim Zillertaler BergSenn geschieht das von Hand. Das Salz entzieht dem Bruch noch mehr Molke, gibt dem späteren Laib Struktur und beginnt die Rindenbildung vorzubereiten.

Dann kommen die Holzformen. Klassisch rechteckig, aus unbehandeltem Holz — das Material ist kein Zufall. Holz nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf, gibt sie gleichmäßig wieder ab und trägt die Mikroflora der Generationen in sich. Ein Edelstahlbehälter würde das nicht leisten.

Der Bruch wird eingedrückt, sanft gepresst — kein mechanischer Druck, nur das eigene Gewicht des Käses und ein einfaches Brett obendrauf. Ziel ist kein fester, geschlossener Teig, sondern ein locker-bröseliger Kern, der Luft lässt. Genau das ist die Textur, die den Graukäse ausmacht: kein Schmelzkäse, kein Schnittgut — sondern etwas zum Abzupfen, zum Zerbröseln über ein Butterbrot.

Der Naturkeller und sein Klima

Im gemauerten Naturkeller des Zillertaler BergSenn herrscht das ganze Jahr über eine gleichbleibende Temperatur von etwa 8 bis 12 Grad. Hohe Luftfeuchtigkeit. Kaum Zugluft. Die Laiber liegen auf Holzregalen, werden regelmäßig gewendet — und der Keller riecht nach dem, was dort wächst.

Dieser Duft ist kein Fehler. Er ist das Zeichen, dass die Reifung läuft.

Warum die Rinde grau-grün wird

Im Keller sind Edelschimmel-Kulturen heimisch — Penicillium-Stämme, die sich auf der Oberfläche des jungen Laibs ansiedeln. Sie nehmen die restliche Oberflächen-Feuchtigkeit auf, bilden ein feines Geflecht aus grauen und grünlichen Flecken. Die Rinde wird dabei fester, dichter — und schützt den weichen Kern darunter vor dem Austrocknen.

Diese Rinde ist nicht gewaschen, nicht gebürstet, nicht mit Kulturen aus der Tube aufgetragen. Sie entsteht aus dem Keller selbst. Wer den Laib nach zwei bis drei Wochen in die Hand nimmt und leicht dagegen klopft — ein dumpfer, leicht hohler Ton — hört, dass innen noch der lockere, weiß-bröselige Kern steckt. Dieser Klang-Test ist kein Mythos, er ist handwerkliche Reifekontrolle.

Zwei bis drei Wochen — nicht kürzer

Die Graukäse-Reifezeit ist kurz im Vergleich zu vielen Bergkäsesorten. Aber unterschätzen sollte man sie nicht. In diesen 14 bis 21 Tagen baut die Restlaktose weiter ab, das Eiweißgerüst festigt sich, der Geschmack entwickelt seine typische säuerlich-würzige Schärfe.

Zu früh aus dem Keller geholt: die Rinde noch weich, der Geschmack flach. Zu lang: der Kern kann sich zu stark setzen, verliert die lockere Bröseligkeit. Beim BergSenn entscheidet das Auge — und die Hand, die klopft.

Wie aus Magermilch überhaupt ein Bruch entsteht, der diese Reifung ermöglicht, erklärt unser Haupt-Artikel zur Graukäse-Herstellung ohne Lab. Die Rolle der Milchsäurebakterien dabei — wie sie ohne ein einziges Gramm Lab zur Gerinnung führen — beschreibt der Artikel zur Säuregerinnung und Milchsäurebakterien. Und warum dieser Käse heute als Slow-Food-Kulturgut gilt, liest du im Artikel zu Graukäse als g.U. und Slow-Food-Kulturgut.

Der Laib, der aus dem Keller kommt

Was nach zwei bis drei Wochen aus dem gemauerten Naturkeller des BergSenn kommt, sieht rustikal aus. Die grau-grüne Rinde, der weiße Kern dahinter, der Geruch nach Keller und reifem Sauermilch-Käse — das ist kein Makel. Das ist das Ergebnis.

Den Zillertaler Graukäse vom BergSenn gibt es direkt im TIROLISH-Shop — Handwerk, das Zeit braucht, direkt aus dem Zillertal.

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